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Allgemeine Rangordnung der Boni auf Guiroma: 8/9/2019 22:17:24


alexclusive 
Level 63
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Aufsatz über die allgemeine Rangordnung der Boni auf Guiroma


My limited ability to express my thoughts in English precisely made me prefer to write this
essay in German. In case the interest turns out to be bigger than I estimate it to be, I will translate it at some point. Until then, this can only be used by the German speaking community.



Einordnung

Dieser Aufsatz ist ausdrücklich nicht als taktische Anleitung zu lesen. Er nimmt weder Bezug auf individuelle Spielsituationen oder über direkt angrenzende Boni hinausgehende Wechselwirkungen (das wäre in diesem Format auch gar nicht möglich, da jedes Detail auf einem Board die Rangordnung auf den Kopf stellen könnte), noch erklärt er etwa, welche Boni die Einbeziehung anderer sinngemäß ausschließen. Vielmehr handelt es sich um eine Art Handbuch, welches jeden Bonus für sich allein betrachtet und die Strategieauswahl dadurch erleichtern soll, dass es eine allgemeine Rangordnung aufstellt. Diese gilt selbstverständlich nicht, wenn meine Argumente dadurch nicht einschlägig sind, dass sich z. B. das auswählbare Territorium (im Folgenden „Pick“) an einer ungünstigen Stelle befindet, ein starker Konter droht, der Bonus von höherwertigen, neutralen Territorien (im Folgenden „Wastelands“) umgeben ist, kein Pick in der Region erforderlich ist oder dergleichen. Wie in jedem strategischen WarLight-Spielmodus (im Folgenden „Template“) gibt es keine Picks, welche „immer“ gut sind. Gerade im von schwachen Wastelands geprägten Guiroma offenbaren sich aber häufig Situationen, in denen viele Strategien diskutabel erscheinen. Sprechen keine sonstigen Anhaltspunkte für oder gegen einen Bonus, so soll dieser Aufsatz zu einer Entscheidungsfindung auf den ersten Blick verhelfen. (Ergänzung nach begangener Tat: Das mit dem „ersten Blick“ hat nicht ganz so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe, aber dafür ist es ausführlicher geworden.)

Die 26 Boni sind aufsteigend geordnet (Rang 26 ist der schwächste, 1 der stärkste Bonus). Die Angabe effizient/ineffizient bezieht sich auf das Verhältnis Territorien zu Einkommen und beinhaltet keinerlei Wertung. Sofern für den Rang eines Bonus nach meiner Einschätzung mehrere Konstellationen zum selben Ergebnis führen, steht sein Rang für sich. Bei hohen Rängen setze ich einige Boni in Klammern, das bedeutet, dass nur eine einzige Konstellation eine so hohe Einstufung rechtfertigt. In so einem Fall wird die notwendige Konstellation anschließend näher beschrieben. Ich gehe nicht explizit darauf ein, welchen Rang diese Boni ohne besagte Konstellation einnehmen; sie alle haben dann allerdings keine Sonderstellung mehr und sind im oberen Mittelfeld einzuordnen.


Qualifikation

Ich würde mich sehr freuen, wenn dieser Aufsatz ein so großes Interesse wecken würde, dass es jemandem gelingt, mich an der einen oder anderen Stelle zu widerlegen. Nichtsdestoweniger möchte ich hier kurz begründen, wieso ich in meinen Augen eine gewisse Deutungshoheit in Anpruch nehmen kann und kaum auf Gegenmeinungen verweise (diese habe ich mit wenigen Ausnahmen entweder als überzeugend in den Aufsatz aufgenommen oder unbenannt verworfen). Das liegt vorwiegend aber auch daran, dass ich mich beim Schreiben ständig davon abhalten muss, nicht versehentlich den Rahmen zu sprengen. Schließlich benötigt man keine Auskunft über alle im Umlauf befindlichen konkurrierenden Meinungen, um sein Spiel zu verbessern.

Ich führte während meiner aktiven Phase längere Zeit die QM-Rangliste auf Guiroma an. Darüber hinaus habe ich das AWP Masters 1000-Turnier auf diesem Template gewonnen und – nach aktueller Erkenntnis – darauf gegen jeden Gegner mit über zehn Begegnungen mehr Siege als Niederlagen. Nicht zuletzt, da Guiroma ein Template mit zahlreichen Grundstrategien ist, gegen die nur ausgewählte Antworten gewinnen können, unterliege aber natürlich auch ich regelmäßig starken Gegnern und käme nicht auf die Idee, Autoritätsargumente formulieren zu wollen. Dieser Aufsatz ist meine heutige Einschätzung, welche mit Sicherheit noch korrigiert und fortgeschrieben werden kann (ich werde auch selbst ab und an Ergänzungen nachtragen). Es handelt sich um einen Prototypen dieses Erklärungsansatzes von Templates, d. h. ich möchte herausfinden, ob er die individuelle Fehleranalyse zumindest sinnvoll ergänzen kann oder eben doch nicht plastisch genug ist, um hilfreich zu sein. Der natürliche Vorteil dieser Herangehensweise besteht darin, dass ich mich nicht jedem Einzelnen gegenüber wiederholen muss und damit viel präziser darauf eingehen kann, warum etwas richtig ist und nicht nur, dass es so ist.

Ich wünsche viele neue Erkenntnisse beim Lesen und bedanke mich für eure Aufmerksamkeit!

alexclusive
Leader of [Lynx]

Edited 8/10/2019 06:54:53
Allgemeine Rangordnung der Boni auf Guiroma: 8/9/2019 22:17:39


alexclusive 
Level 63
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Rang 26 – Britain – 3 Armeen für 5 Territorien (ineffizient, 0,6A/T)

Zum Einstieg den vielleicht einzigen Bonus, dessen Rang nicht bestritten werden kann. Er kann theoretisch als Konter gegen Northern Gaul angewendet werden. Praktisch wird Northern Gaul selbst aber erst so spät gepickt, dass kein sinnvoller Konter mehr möglich ist, oder (häufiger) es durch diejenigen Picks, mit welchen es zwangsläufig kombiniert wird, bereits gekontert ist (i. d. R. Southern Gaul). Wie selten ein Konter gegen einen Bonus, welcher in den allermeisten Fällen selbst höchstens als Konter gepickt wird, zum Einsatz kommt, kann man sich ausmalen. Ich möchte diesen Fall nicht ausschließen, habe in meiner eigenen Praxis aber noch kein Spiel erlebt, in dem Britain eine gute Wahl gewesen wäre. Früher als als Pick 8 kann Britain in keinem Fall infrage kommen.


Rang 25 – Mauretania – 2 Armeen für 4 Territorien (ineffizient, 0,5A/T)

Mit Mauretania haben wir ebenfalls einen Bonus, der nur als später Konter sinnvoll sein kann. Im Gegensatz zu Britain passiert das aber auch tatsächlich, wenn auch selten. Im Wesentlichen gibt es dazu zwei Optionen: 1) Man pickt Baetica spät, ohne einen anderen Konter dagegen zu haben (nur bei dem Pick Tingus) oder 2) man plant, mittelfristig die Doppelfront in Theveste gegen Africa zu eröffnen (etwas häufiger, bei Pick in Siga oder Cartenna). Der einzige Vorzug dieses Bonus ist, dass es keine Doppelfront gegen ihn gibt, das trifft aber auch auf Britain zu und wird von seinen Nachteilen deutlich überwogen. Die gelegentlich angewandte Option 3) als sofortiger Doppelfront-Konter von Cartenna gegen Numidia (oder nach Zug von Siga nach Cartenna) ist falsch, da Numidia nie so früh gepickt werden sollte, dass es für einen Konter zugänglich wäre.


Rang 24 – Numidia – 2 Armeen für 3 Territorien (effizient, 0,66A/T*)

Numidia ist von 3 Doppelfronten umgeben, das entspricht seiner Territorienzahl und ist der schlechteste Wert auf dieser Karte. Effizient expandieren kann man daraus nur nach Africa, was seinerseits nicht sinnvoll weiter expandieren kann und von einer latent drohenden Doppelfront im Norden angeguckt wird. Da ist es kein großer Trost, dass Numidia die Doppelfronten Theveste und Capsa ausschließt. In meinen Augen kann Numidia nicht sinnvoll für sich stehend gepickt werden. Der einzige Fall, in dem es möglich ist, ist also jener, dass Africa ein FTB ist und gekontert werden kann. Das ist aus allen drei Territorien gegen Utica oder Cirta gegen Zama möglich, aber sehr selten sinnvoll. Es kommt nur infrage, wenn man Africa seinerseits pickt und mit Numidia als 8 kontert. In Anbetracht seiner geringen Qualität wird Numidia häufig unnötig gepickt.


Rang 23 – Northern Gaul – 5 Armeen für 6 Territorien (effizient, 0,83A/T)

Wir sind beim ersten Pick angelangt, der nicht nur als reiner Konter in Betracht kommt. Theoretisch gibt es hier nur eine Doppelfront, sofern der Gegner nicht nach Durocortorum geht, wozu es praktisch nie kommt. Aus dem Norden und Osten ist keine Gefahr zu befürchten, da kein starker Gegner Britain pickt und Northern Italy zumindest als Konter gegen Northern Gaul kaum verwendet werden kann. Die Kehrseite der Medaille: Gibt es einen Pick in Southern Gaul, der nicht total schlecht ist (weil der Bonus etwa zwei oder mehr Wastelands beinhaltet) ist Northern Gaul (außer als Konter) völlig ausgeschlossen. Bei einem Pick in Narbonensis ist das in aller Regel ebenfalls der Fall, da daraus nach SG expandiert wird (wie aus NG ebenfalls möglich). Der Bonus kommt als Konter gegen SG infrage, sofern der Pick direkt damit verbunden ist. Ist der Pick in SG Aventicum, ist das sinnlos, sofern kein FTB-Versuch kombiniert mit Numantia oder Narbo denkbar ist. Meistens ist NG nur dann ein guter Konter gegen SG, wenn diese beiden kombiniert einen FTB bilden oder ein starker Verdacht besteht, dass SG aus Avaricum oder Lugdunum als FTB eingenommen werden soll. In so einem Fall darf es keinen anderen Konter geben, denn mit Ausnahme von Taurasia wäre dieser besser als NG.


Rang 22 – Northern Italy – 5 Armeen für 6 Territorien (effizient, 0,83A/T)

NI hat mich in der Vergangenheit regelmäßig zu der irrigen Annahme verleitet, man könne einen großen Bonus als Konter und für mittelfristiges Einkommen zugleich verwenden. Jenes Territorium, welches als Pick am ehesten in Betracht kommt, da es als Doppelfront alles Mögliche kontert – Genua – ermöglicht theoretisch nämlich zugleich eine Einnahme von NI in zwei Zügen. In der Praxis kommt es dazu aber nicht, da der Gegner entweder aufgibt, wenn er in einem angrenzenden Bonus eliminiert wurde, oder der Nutzen der Einnahme in keinem Verhältnis zum Risiko steht, sofern der Gegner noch dort ist. Als Nicht-Konter kommt NI nicht infrage, auch wenn es nur die Doppelfronten Aventicum und Rome (häufig unterschätzt) hat, da keine Doppelfront nötig ist, um NI zu kontern. Hat man nicht ausreichend Intel, wird man aus irgendeiner Richtung mit 4 oder 5 Armeen überrascht und kann aufgeben. NI kann also ein starker Konter sein, besonders gegen die Kombination SG&Narbonensis, gegen die er eine Dreifachfront bildet. Die Perspektive, irgendwann Einkommen aus dem Bonus zu schlagen, gibt es aber nur dann, wenn es in der Region kaum andere Picks gibt.

Ausnahme: Selten ist NI kombiniert mit zwei angrenzenden Picks ein FTB (bei NG besteht diese Möglichkeit nur in der Theorie, da das Risiko unverhältnismäßig wäre, deswegen habe ich es dort nicht aufgeführt). In diesen Fällen gibt es zwei legitime Optionen (bitte nichts dazwischen versuchen!) mit unterschiedlichen Risiken:
1) Man pickt es als 1 2 3. Schön, wenn es funktioniert, sehr problematisch, wenn man 2 aus 3 Picks einschließlich NI bekommt, da man sich dann in einer Situation wiederfindet, in der man 2-3 gepickte Boni einnehmen kann und der Gegner 3-4.
2) Man pickt es als 4 5 6. In diesem Fall ist es sehr unwahrscheinlich, dass man derjenige ist, der zwei Picks abbekommt. Funktioniert es, hat man also den einen Konterpick und macht dem Gegner aus den Gründen von 1) das Leben schwer, da nun die Rollen vertauscht sind. Funktioniert es aber nicht, hat der Gegner entweder alle drei Picks bekommen (dafür hat man dann wenigstens sehr viel Intel) oder man bekommt nur 4 oder nur 4&5, da der Gegner den FTB übersehen/ausgelassen und es nicht genug Konflikte um frühere Picks gegeben hat, als dass man bis 6 gekommen wäre (oder man war einfach Spieler B und bekam 2&3). Dann ist man zwar nicht unmittelbar bedroht, aber der FTB funktioniert nicht. Es gibt also keine sichere Option von NI als FTB, die gibt es bei solchen, welche aus drei Picks bestehen, allerdings nie. Ich empfehle, diese Taktik eher gegen überlegene Gegner anzuwenden, gegen welche man größere Risiken einzugehen bereit ist.


Rang 21 – Lusitania – 1 Armee für 2 Territorien (ineffizient, 0,5A/T)

Später Konter gegen Tarraconensis und/oder Baetica, meistens aber gegen beide. Steht niemals vor einem dieser beiden, weil reine Konter nie vor dem Bonus stehen, den sie kontern. Wenn beide Boni schwach erscheinen, steht Lusitania auch nicht davor, da er dann gar nicht genommenn werden sollte. Zumal es auf Guiroma kein Einkommen für die Städte gibt, sind alle 1er Boni ineffizient und nur als Konter oder für die Verwirklichung eines angrenzenden FTBs verwendbar. Lusitania kann auch so gepickt werden, dass das Risiko besteht, aus diesem und den beiden angrenzenden Boni zwei zu kriegen und gegen einen Gegner mit dem dritten zu spielen, da Lusitania es entweder ermöglicht, den gegnerischen Bonus direkt zu kontern oder zumindest den eigenen 2er ohne einen Deploy einzunehmen. Lusitania wird zu meiner Verwunderung gelegentlich überschätzt und zu früh gepickt, es sollte ein später Pick sein. Ausnahme: Man ist sich so sicher, dass der Gegner die beiden angrenzenden 2er pickt, dass man ihn als blinden Konter verwendet.


Rang 20 – Hispania – 5 Armeen für 6 Territorien (effizient, 0,83A/T)

Im Wesentlichen gelten für Hispania ähnliche Vor- und Nachteile wie für NI. So leidet es an zwei Doppelfronten und kommt als einkommensausschüttender Bonus noch weniger infrage als NI (damit meine ich nicht, man könne später nicht nach Hispania expandieren, es geht nur um den Pick). Je nach Pick kann Hispania allerdings als Konter gegen praktisch jeden starken Bonus im Westen der Karte verwendet werden. Das ist so flexibel und boardabhängig, dass man dazu allgemein eigentlich nur sagen kann, dass diese Möglichkeit besteht und es einer Einzelfallentscheidung bedarf. Der eher schwache Rang ergibt sich daraus, dass sich auf den meisten Boards ein anderer Konter in der Region als stärker erweist, da es viele kleine Boni dort gibt, welche zugleich als Konter fungieren und im Anschluss selbst eingenommen werden können, also Einkommen abwerfen.

Edited 8/10/2019 11:02:07
Allgemeine Rangordnung der Boni auf Guiroma: 8/9/2019 22:17:53


alexclusive 
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Rang 19 – Africa – 3 Armeen für 4 Territorien (effizient, 0,75A/T)

Das Kernproblem an Afrika habe ich bereits im Absatz Numidia dargestellt, nur dass es ohne Numidia drei Doppelfronten gegen Africa gibt und nicht eine. Der Vorteil: Der Bonus ist trotzdem ein effizienter 3er FTB (dazu später mehr) aus Zama oder Utica und wird von einem guten Gegner i. d. R. nicht erwartet und entsprechend auch nicht mit einem Konter bedacht. Somit kann es ein vernünftiger später Pick sein, der zu frühem Einkommen verhilft. Spät nicht allein deswegen, da Africa eher schwach ist, sondern auch, weil es mit geringerem Intel als drei Picks extrem riskant ist. Darüber hinaus sollte es niemals gepickt werden, wenn Sardinia and Corsica, Sicily oder Tripolis sinnvoll gepickt werden können und als Konter zu befürchten sind. In diesen Fällen ermöglichen andere Boni besseres Risikomanagement.


Rang 18 – Tripolis – 1 Armee für 2 Territorien (ineffizient, 0,5A/T)

Konter gegen Africa/Egypt oder verwendbar zur Herstellung eines FTBs in Egypt. Kommt als mittelfristiger Konter kaum infrage, da die allgemeine Hoffnung, der Gegner würde irgendetwas auf dem afrikanischen Kontinent einnehmen wollen, selten erfüllt wird und nur eine Doppelfront gegen Africa besteht. Gilt auch für einen etwaigen blinden Konter, es sei denn, der Gegner neigt dazu, Egypt ohne Absicherung einzunehmen (aus irgendeinem Grund gibt es davon nicht wenige). Nicht gegen einen starken Gegner. Kommt auch Sicily infrage, ist es immer besser als Tripolis, es sei denn, es wird Capsa als 8 gegen den Africa-FTB aus Utica gepickt, welcher die 7 ist. Das wäre nämlich ein direkter Konter, während Sicily erstmal die Doppelfront einnehmen müsste. Diese Ausnahme ist aber so speziell, dass man sie sich nicht zu merken braucht.


Rang 17 – Sicily – 1 Armee für 2 Territorien (ineffizient, 0,5A/T)

Konter gegen Africa (aber nicht der beste), Konter gegen Southern Italy (!) und Egypt. Evtl. FTB mit Egypt. Nur in einem dieser konkreten Kontexte sinnvoll, nicht als bloße Option in der Hinterhand, dafür zu ineffizient. Alles andere identisch mit den sonstigen 1er Boni. Ihr merkt: Je höher der Rang wird, desto weniger schreibe ich. Erfahrungsgemäß sind die Vorteile einzelner Boni landläufig viel bekannter als ihre zentralen Nachteile, deswegen fokussiere ich meine Darstellung auf die Letzteren.


Rang 16 – Sardinia and Corsica – 1 Armee für 2 Territorien (ineffizient, 0,5A/T)

Auf den ersten Blick nur als (nicht der beste) Konter gegen Africa interessant, ganz selten als FTB-Gehilfe für NI und noch seltener für Hispania. Letztes Jahr hätte ich diesem Bonus noch einen viel niedrigeren Rang gegeben. Ein starker Gegner hat mich jedoch eines Besseren belehrt, indem er folgendermaßen vorging: Erst nahm er den Bonus ohne Deploy ein und war an den anderen Fronten aktiv. Als ich Gelegenheit gehabt hatte, meine Boni im Westen einzunehmen, erschien er in Tarraco und hatte plötzlich eine Front gegen bis zu drei meiner Boni, eine abgespeckte Version dieser Taktik ist auch über Acra Leuce möglich. I. d. R. tat er das als blinden Konter, da es offensichtlich war, dass ich im Westen vertreten war. Mit SaC ist also eine sehr interessante Taktik möglich, welche nur nicht zu lange hinausgezögert werden darf, damit der Nachteil durch den ineffizienten Bonus die anderen Fronten nicht zu stark schwächt.


Rang 15 – Egypt – 4 Armeen für 5 Territorien (effizient, 0,8A/T)

Konter gegen Arabia, FTB mit 1-2 anderen Picks. Vernichtend zerstörbar durch einen Gegner aus Illyricum, der über Alexandria kommt. I. d. R. also nur interessant, wenn Illyricum nicht in Betracht kommt, da es dieselbe Region ist. Ganz selten als Konter gegen Illyricum über Alexandria denkbar.


Rang 14 – Dacia – 3 Armeen für 4 Territorien (effizient, 0,75A/T)

Dacia kann, je nach Zusammenhang, Konter oder (seltener) Einkommensbonus sein. Sehr einfache Möglichkeit, durch seine Doppelfront Illyricum auszuschließen. Mit dieser simplen Taktik kann man viele starke Gegner schlagen, da diese aus gutem Grund zu Illyricum neigen, welches der effizienteste Bonus auf der Karte ist (dazu später mehr). Tribus Gaetae ist die einzige Doppelfront dagegen. Kann auch beliebig in Kombination mit den 2ern drumherum eingesetzt werden, um einen Zug 1-Bonus ohne Deploy zu ermöglichen. Möglich ist auch, es zur schnelleren (eigenen) Einnahme von Illyricum einzusetzen. Diese beiden Optionen schließen sich oft nicht einmal aus, wenn Illyricum nur den Konter aus Dacia hat: Kriegt man beide Picks, erobert man Illyricum, kriegt man nur einen, benutzt man ihn als Konter gegen den anderen. Warum ich ihn dennoch so niedrig einordne: Es gibt drei Doppelfronten gegen diesen Pick und in aller Regel kann man ihn kaum zu Einkommen machen, es sei denn, der Gegner hat gar nichts in der Region. Er kann allen Picks um sich herum zur Wirkung verhelfen, aber nur schwer seine eigene entfalten.


Rang 13 – Baetica – 2 Armeen für 3 Territorien (effizient, 0,66A/T)

Stabiler, effizienter Bonus, der als einziger Bonus im Osten genügen kann. Tarraconensis ist dafür aber viel besser geeignet, da von dort aus auch Zugang zum Nordwesten besteht. Ist der Pick Beacula und jener in Tarraconensis nicht Salmantica (ohne ein FTB mit SG zu sein), ist er sogar besser, da er als direkter Konter fungiert und alternativ auch einfach der Bonus im ersten Zug eingenommen werden kann. Der Gegner kann nicht wissen, für welche Option man sich entscheidet, deswegen muss er seinen ersten Zug mit höherem Lebensrisiko planen (er könnte entweder umsonst einen Stack nach Süden schicken oder gekontert werden). Die Sinnhaftigkeit dieses Bonus hängt ansonsten im Wesentlichen davon ab, ob man noch etwas im Westen braucht oder eher in einer anderen Region noch etwas fehlt. Er besitzt keine Superkräfte, mit denen er in Spezialfällen spielentscheidend wäre, kann aber stabiles Einkommen bilden und den Gegner von Expansionen wie nach Hispania abhalten, ohne dass man selbst sonderlich aktiv werden müsste.


Rang 12 – Panonia – 2 Armeen für 3 Territorien (effizient, 0,66A/T)

Ähnlich wie Baetica im Osten ist Panonia ausreichend, um den Norden abzudecken, dafür aber nicht die beste Option. Hat ein Spieler nur Dalmatia und der andere nur Panonia in der Region, sind beide gleichwertig, in allen anderen Fällen ist Dalmatia vorzuziehen. Es hat eine Doppelfront gegen Dacia und kann in zwei Zügen Illyricum kontern.


Rang 11 – Southern Gaul – 3 Armeen für 4 Territorien (effizient, 0,75A/T)

Potentieller FTB „ohne Hilfe“, wenn der Pick Lugdunum oder Avaricum ist. Meistens ist das aber gekontert und zu unsicher. FTB ohne Deploy mit Narbonensis und FTB-Gehilfe mit NG oder NI. Hält alleine die Region, wird aber durch Tarraconensis bedroht, sollte also nicht ohne ihn gepickt werden, wenn der Pick dort Numantia ist.


Rang 10 – Narbonensis – 2 Armeen für 3 Territorien (effizient, 0,66A/T)

Partner von SG mit dem bescheidenen Vorteil, dass er häufiger als SG ungekontert als FTB im ersten Zug eingenommen werden kann. Ein zu befürchtender Konter aus Avaricum ist nicht sonderlich schädlich, da der Gegner im zweiten Zug stark deployen muss, um Narbonensis zu brechen und damit nicht einmal dazu beiträgt, perspektivisch SG zu erobern, sofern man nicht Valentia und Narbo beide verliert (was man sein lassen sollte). In dieser Lage deployen viele SG-Spieler zu stark und übersehen, dass sie nur etwas brechen, was vorher der Vorteil ihres Gegners war, da sie SG selbst ja nicht eingenommen hatten. In dieser Konstellation also erst Narbonensis, dann SG picken (es gibt viele andere, wo etwa Tarraconensis gekontert werden soll, das sind eigene und seltenere Geschichten). Deswegen einen Rang höher, sofern der SG-Pick Avaricum ist. In allen anderen Fällen je nach dem, ob man plant, gegenüber Tarraconensis aggressiv zu spielen. Ganz selten ist auch ein Konter über Tarraco und dann Saguntum denkbar.

Edited 8/10/2019 06:53:10
Allgemeine Rangordnung der Boni auf Guiroma: 8/9/2019 22:18:03


alexclusive 
Level 63
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Rang 9 – Dalmatia – 2 Armeen für 3 Territorien (effizient, 0,66A/T)

Vorteile bereits in Panonia beschrieben.


(Rang 8) – Ponticia – 5 Armeen für 6 Territorien (effizient, 0,83A/T)

Hier könnte man jetzt sehr weit ausholen, da es unzählige Konstellationen gibt. Da man sich meistens aber nur die Frage „Ja oder nein?“ stellt, reicht die Faustregel: Ist es gekontert, nimmt man entweder alle Konter mit oder lässt Ponticia aus und pickt nur einen Konter. Ein einziger fehlender Pick ist ein verlorenes Spiel, da man dann nichts eingenommen bekommt (diverse Doppelfronten etc.). Bei mehr als zwei Picks sehr riskant. Es ist aber nicht selten, dass es nur zwei Picks (einschl. Ponticia) im unmittelbaren Umfeld gibt, dann ein Must-have, es sei denn, die Alternative ist Illyricum. Gelegentlich: Konter gegen Illyricum über Lycia. Häufig: Entgegenkommender Konter aus Illyricum über Lycia. Im Zweifel stupide die Anzahl Territorien durchzählen, aus welcher Richtung man schneller da ist! Bei gleicher Anzahl und Sicherheit ist Illyricum stets vorzuziehen. In Klammern, weil so viele Vorbedingungen erfüllt sein müssen, damit es funktioniert.


(Rang 7) – Asia – 2 Armeen für 3 Territorien (effizient, 0,66A/T)

Manchmal ein FTB mit Thracia/Arabia, in der Regel aber vor allem zur Verhinderung oder Herbeiführung von Ponticia oder Illyricum (wenn der Pick Lycia ist) relevant. Ist er es nicht, kann man den Bonus fast vergessen, deswegen die Klammern. Umzingelt von praktisch allem, bindet aber auch seine Nachbarn. Kommen sowohl Illyricum als auch Ponticia als Kombinationen infrage und ist der Pick Lycia, so ist das der erzwungene Pick 1, da er beide unterbindet. Hierin liegt die einzige mir bekannte Ausnahme von der Regel**, welche in (Rang 1) – Southern Italy erklärt ist.


Rang 6 – Syria – 4 Armeen für 5 Territorien (effizient, 0,80A/T)

Konter gegen Ponticia und Arabia, starker Bonus, hält die Region. Sinnhaftigkeit hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, auch dieser Bonus verliert in Konkurrenz mit Illyricum, ist ansonsten aber bombenstark, sobald die Judea-Doppelfront geschlossen ist. Die Doppelfront in Cappadocia hat keine praktische Bedeutung, solange der Gegner nicht in Ponticia ist. Ist er es, kann Syria ohnehin nicht eingenommen werden. Seltener als Konter gegen Illyricum über Lycia denkbar, wenn der Pick Cilicia ist. Ausgeschlossen, wenn der Gegner aus Illyricum früher in Lycia sein kann als man selbst (auch hier einfach die notwendigen Züge abzählen).


Rang 5 – Tarraconensis – 2 Armeen für 3 Territorien (effizient, 0,66A/T)

Stärkster Pick im Westen, ich habe oben bei den anderen westlichen Picks wiederholt auf seine Vorteile im Vergleich zu Alternativen Bezug genommen.


Rang 4 – Thracia – 2 Armeen für 3 Territorien (effizient, 0,66A/T)

Verfügt über einen direkten Zugang zu Tribus Gaetae und kann Illyricum aus eigener Kraft verhindern. Etwas schwerer wird es mit Ponticia, da man durch Byzantium und Bithynia brechen muss, was aber funktioniert, wenn man schon in Ersterem mit einem so großen Stack erscheint, dass Letzteres mit einem vollen Deploy nicht mehr verteidigt werden kann. Man kann auch mit einer kleineren Armee antäuschen und im nächsten Zug Byzantium mit einer Timinator-Blockade sperren und über Pergamon Ephesus für die Doppelfront zu erreichen versuchen. Ich empfinde diese Variante als schwer zu verwirklichen, habe aber auch schon auf die harte Tour beobachten dürfen, wie sie funktionieren kann. Der Vorteil gegenüber Lycia besteht darin, dass Thracia Einkommen abwerfen kann, dafür muss aber auch mehr getan werden, um die beiden großen Boni des Ostens zu verhindern.


Rang 3 – Arabia – 2 Armeen für 3 Territorien (effizient, 0,66A/T)

Wahrscheinlich der häufigste Pick 1. Verhindert Egypt, Arabia und in zwei Zügen Ponticia, wirft Einkommen ab, ist also sowohl Konter als auch Teil des Einkommensdepots. Solange Illyricum nicht möglich und die Regel aus (Rang 1) – Southern Italy nicht einschlägig ist, häufig ein starker – wenn nicht sogar der stärkste - Pick 1.


(Rang 2) – Illyricum – 6 Armeen für 6 Territorien (effizientester Bonus, 1A/T)

Der stärkste und riskanteste Bonus auf der Karte. Gelingt die Eroberung in bis zu drei Zügen, hat man in aller Regel gewonnen, schlägt sie durch einen zugelassenen Konter fehl, hat man in aller Regel verloren. Wenn man nicht alle Konter ausschließen kann, pickt man besser den vielversprechendsten von ihnen allein, als es mit Illyricum zu versuchen. Ich versuche gar nicht erst, auch nur die Standardfälle zu benennen, da es derer zu viele gibt, weil so viele Konter gegen diesen Bonus infrage kommen. Dabei ist es gar nicht so schwer: Wer Illyricum einnehmen will, muss alle Konter ausschließen können (zur Ermittlung der möglichen einfach die sie vermittelnden Territorien durchzählen). Kann er das nicht, so sollte er den besten Konter picken und vielleicht noch einen, falls zu befürchten ist, dass Ersterer auch die 1 des Gegners werden könnte. Ebenfalls möglich ist es, den besten Konter und Illyricum gemeinsam zu picken (als 1&2 oder 1&3). Diese Option zielt darauf ab, den Konter-Bonus einzunehmen (sofern man beide abbekommt) und den Gegner mit einem unnötig großen Konter in Illyricum reinlaufen zu lassen, welches man gar nicht einzunehmen versucht hat. Stellt sich heraus, dass der Gegner gar nicht in der Nähe ist, kann man Illyricum dann immer noch einnehmen. Natürlich bestehen auch hier die Standardrisiken von Kombinationen für große Boni, etwa mit mehreren Picks gegen einen darzustehen, der den angestrebten Bonus verhindert. Je weniger Picks also in der Nähe sind, desto stärker ist Illyricum. Kommen nur drei in Betracht und man kann Illyricum in bis zu drei Zügen einnehmen, ist man so gut wie gezwungen, sie als 1 2 3 zu nehmen. Das gilt natürlich auch, wenn es nur ein oder zwei Picks sind (sofern einer von ihnen in Illyricum liegt). Liegt keiner darin, wird SI wieder interessanter, da man von dort aus am schnellsten nach Illyricum expandieren kann. Darüber könnte man jetzt noch sehr lange philosophieren, aber zugunsten der Aufrechterhaltung der Allgemeinheit dieses Aufsatzes möchte ich mich nicht zu detailliert in Spezialfälle vertiefen.


(Rang 1) – Southern Italy – 3 Armeen für 4 Territorien (effizient, 0,75A/T)

SI ist der einzige effiziente Pick auf dieser Karte, gegen den es keine Doppelfront gibt. Außerdem verhindert er Illyricum, wenn man im zweiten Zug nach Epirus einzieht. Wenn das Board diesen Vorteilen auch noch die Kirsche oben drauf setzt, der Pick Cannae ist, es keine Wastelands und keinen Konter gibt und es sich somit um einen zu 100% sicheren FTB handelt, gibt es keinen alternativen richtigen Pick 1**. Diese Klarheit lässt sich nur aufweichen, wenn Lycia eine außerordentliche Bedeutung zukommt, wie in Asia beschrieben. Das ist aber eher selten der Fall. In diesem Zusammenhang ist SI der mit Abstand am stärksten unterschätzte Bonus auf dieser Karte. Ich fasse mir immer wieder an den Kopf, wenn ich sehe, was für großartige Spieler diesen Vorteil übersehen.

In allen anderen Fällen, d. h. wenn irgendeine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt ist, ist SI ein ganz gewöhnlicher Pick, der situationsabhängig gepickt werden kann oder eben nicht; die Voraussetzungen sind nicht alternativ.


*Kurze Erläuterung, wieso 0,66 effizient ist und 0,6 nicht: Die 2er Boni, deren effiziente Exemplare 3 Territorien haben und 0,66 sind (es gibt auch 4 Territorien/0,5) können, sofern sie nicht als Konter gepickt wurden, im ersten Zug eingenommen werden. Damit werfen sie zwar weniger Armeen pro Territorium ab als es größere Boni tun, tun dies aber a) früher und richten b) geringeren Schaden an, wenn sie vom Gegner durchbrochen werden. Darüber hinaus betrachtet man das immer im Verhältnis zu der anderen Territorienzahl jener Boni, welche gleich viele Armeen pro Zug abwerfen, und diese haben hier ein Territorium mehr. Bei 0,6, also 3ern, wäre die Alternative ein Territorium weniger, was zu 0,75 führt. Für entsprechende Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

**Es existieren abweichende Meinungen von diesem Standpunkt unter starken Spielern. Meine Erfahrungen konnten diese Regel bisher aber stets bestätigen.


Mal sehen, ob das wirklich irgendjemand vollständig liest. Was haltet ihr von diesem Format, um fortgeschrittenen Spielern Templates zu erklären? Ich bin gespannt auf Meinungen!

Edited 8/10/2019 06:53:58
Allgemeine Rangordnung der Boni auf Guiroma: 8/10/2019 03:36:45


knyte 
Level 58
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I only skimmed for the first read-through, but the auto-translation (by Google Translate) to English appears to be close to perfect. I believe this is useful for English speakers as well. There are some parts of it (e.g., "decision at first sight") that map to English-language idioms (something like "preliminary decision" or "spot judgment") that translation doesn't seem to support, but honestly an English-speaker can easily go through this and understand almost the entirety of your analysis.

I hope the mods waive the English-language rule on account of how great this post is + how accessible it is for English-speakers anyway.

Thanks for taking the time to detail all that.

Edited 8/10/2019 03:40:09
Allgemeine Rangordnung der Boni auf Guiroma: 8/10/2019 09:03:11


alexclusive 
Level 63
Report
Hey, thanks for your interest! Possibly the Google translation is also useful for me to write a translated version later. It takes less time to modify the parts that don't make sense compared to a complete translation from zero. How do you like the format, do you think it can be useful?
Allgemeine Rangordnung der Boni auf Guiroma: 8/10/2019 11:30:20


krunx 
Level 63
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Interessanter Beitrag.

Meine Erfahrung auf Guiroma ist, dass insbesondere den Gebieten, die keine Möglichkeit des Auswählens ermöglichen, eine starke Bedeutung zukommt. Denn gerade diese Gebiete erweitern den Einflussbereich der Gebiete um sie herum.

Ich persönlich würde aus dem Bauch heraus NI etwas stärker einschätzen als du, eben da es die Möglichkeit gibt, dass Southern Gaul und Narbonensis als mögliche Startgebiete ausscheiden.

Mich verwundert deine hohe Wertschätzung für Thracia und Asia etwas. Asia wird in der Regel durch Syria gekontert. Die niedrige Priorisierung bei den Startgebieten könnte aber auch darauf zurückzuführen sein, dass es in dieser Region sehr viele gute Gebiete gibt. Africa wähle ich scheinbar deutlich häufiger als Startgebiet aus als du.

Edited 8/10/2019 11:36:51
Allgemeine Rangordnung der Boni auf Guiroma: 8/11/2019 16:11:46


J.P. 
Level 61
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Danke für die Mühe, werde es mir bei Zeiten in Ruhe durchlesen.
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